Kosten & Versicherung · 11 Minuten
E-Auto TÜV 2026: Diese Mängel kosten die Plakette
Ein E-Auto hat keinen Auspuff. Es braucht kein Motoröl. Und viele Teile verschleißen langsamer als beim Verbrenner.
Trotzdem kann Dein E-Auto bei der Hauptuntersuchung durchfallen.
Besonders oft geht es um Bremsscheiben, Fahrwerk und Licht. Das Tückische dabei: Manche dieser Probleme merkst Du im Alltag kaum.
Wer erst am Prüftag hinschaut, zahlt schnell für Reparatur und Nachprüfung. Wer den Termin zu lange verpasst, zahlt zusätzlich 20 Prozent mehr für die Untersuchung. Dazu kann ein Verwarnungs- oder Bußgeld kommen.
Dieser Ratgeber zeigt Dir, was beim E-Auto wirklich geprüft wird. Du bekommst außerdem eine einfache Checkliste für die Vorbereitung.
Direkt zur HU Checkliste
Wann muss ein E-Auto zum TÜV?
„TÜV“ ist das Wort, das fast alle benutzen. Gemeint ist die Hauptuntersuchung, kurz HU.
Sie kann nicht nur der TÜV durchführen. Auch andere anerkannte Prüforganisationen wie DEKRA, GTÜ oder KÜS bieten sie an.
Für einen normalen privaten Elektro-Pkw gilt:
| Alter des E-Autos | Nächste Hauptuntersuchung |
|---|---|
| Neuwagen | Erstmals nach 3 Jahren |
| Danach | Alle 2 Jahre |
Den genauen Monat findest Du auf der runden Plakette am hinteren Kennzeichen. Er steht auch in der Zulassungsbescheinigung Teil I. Das ist der frühere Fahrzeugschein.
Warte nicht bis zum letzten Tag. Ein Termin einige Wochen vorher gibt Dir Zeit, falls noch etwas repariert werden muss.
Was kostet der TÜV für ein E-Auto 2026?
Beim reinen E-Auto entfällt die Abgasuntersuchung. Deshalb zahlst Du nur die Hauptuntersuchung.
Einen einzigen Preis für ganz Deutschland gibt es nicht. Er hängt von Bundesland, Prüforganisation, Fahrzeugart und Prüfstelle ab.
Ein aktuelles Beispiel zeigt die Größenordnung:
| TÜV NORD in Berlin, Pkw bis 3,5 Tonnen | Preis seit 1. Februar 2026 |
|---|---|
| Hauptuntersuchung ohne Abgasmessung | 105,90 Euro |
| Hauptuntersuchung mit Abgasmessung | 165,90 Euro |
| Nachuntersuchung Stufe 1 | 20,00 Euro |
| Nachuntersuchung Stufe 2 | 40,00 Euro |
Bei einem reinen E-Auto fallen in diesem Berliner Beispiel also 105,90 Euro an. Ein Verbrenner mit Abgasmessung kostet an derselben Stelle 60 Euro mehr.
Das ist nur ein Preisbeispiel. Prüfe vor dem Termin den Preis Deiner örtlichen Prüfstelle.
Das kann teuer werden: Du verpasst den Termin
Die HU darfst Du nicht einfach überziehen.
Ist der Termin mehr als zwei Monate abgelaufen, wird die Untersuchung erweitert. Die Prüfgebühr steigt dann um 20 Prozent.
Mit dem Berliner Preisbeispiel sieht das so aus:
| Situation | Rechnung | Kosten vor Reparaturen |
|---|---|---|
| Rechtzeitig da und bestanden | 105,90 Euro | 105,90 Euro |
| Mehr als 2 Monate zu spät | 105,90 Euro plus 20 Prozent | 127,08 Euro |
| Durchgefallen und Nachprüfung Stufe 2 | 105,90 Euro plus 40 Euro | 145,90 Euro |
Die verspätete Untersuchung kostet in diesem Beispiel 21,18 Euro extra. Dazu kann bei einer Kontrolle ein Geldbetrag kommen:
- ✓ Mehr als zwei bis zu vier Monate zu spät: 15 Euro
- ✓ Mehr als vier bis zu acht Monate zu spät: 25 Euro
- ✓ Mehr als acht Monate zu spät: 60 Euro und ein Punkt in Flensburg
Die einfache Lösung: Stell Dir zwei Erinnerungen. Die erste sechs Wochen vor dem Termin. Die zweite zwei Wochen vorher.
Welche Teile werden beim E-Auto geprüft?
Die Prüfer schauen auf alle wichtigen Teile für die Sicherheit. Dazu gehören zum Beispiel:
- ✓ Bremsen und Bremsscheiben
- ✓ Reifen und Räder
- ✓ Lenkung und Fahrwerk
- ✓ Scheinwerfer, Rückleuchten und Blinker
- ✓ Scheiben, Spiegel und Scheibenwischer
- ✓ Sicherheitsgurte und Sitze
- ✓ Kennzeichen und Fahrzeugdaten
Beim E-Auto kommen besondere Punkte dazu:
- ✓ Hochvoltsystem
- ✓ Batterie und Batteriegehäuse
- ✓ Batteriemanagement
- ✓ Ladeanschlüsse
- ✓ Rekuperation
- ✓ künstliches Fahrgeräusch bei niedriger Geschwindigkeit
Rekuperation bedeutet: Das Auto bremst mit dem Elektromotor und gewinnt dabei Strom zurück.
Hochvolt bedeutet: Im Antrieb fließt eine hohe elektrische Spannung. Beschädigte Kabel oder Gehäuse können gefährlich sein.
Eine sichtbare Beschädigung am Akkugehäuse, eine Warnmeldung oder ein Fehler im Hochvoltsystem gehört deshalb vor dem Termin in eine Fachwerkstatt.
Problem 1: Die Bremse wird zu wenig benutzt
Das klingt erst einmal seltsam. Wenig bremsen müsste doch gut sein.
Beim E-Auto bremst oft der Elektromotor. Die normalen Bremsen werden dadurch weniger genutzt. Das spart Bremsbeläge. Auf den Bremsscheiben kann sich aber Rost bilden. Die Bremswirkung kann schlechter werden.
Der TÜV-Report nennt Bremsscheiben als typischen Schwachpunkt mehrerer Elektroautos.
Achte auf diese Warnzeichen:
- ✓ Schleifende oder kratzende Geräusche
- ✓ Sichtbarer starker Rost auf den Scheiben
- ✓ Ruckeln beim Bremsen
- ✓ Das Auto zieht beim Bremsen zu einer Seite
- ✓ Warnleuchte für Bremse oder ABS
Wichtig: Mache keine unnötige Vollbremsung im Straßenverkehr. Wenn die Bremse auffällig ist, lass sie fachlich prüfen. Frage die Werkstatt auch, wie die Bremsen bei Deinem Modell sicher gepflegt werden.
Problem 2: Batteriegewicht belastet das Fahrwerk
Ein großer Akku ist schwer. Dieses Gewicht belastet Reifen, Gelenke und Achsaufhängungen.
Nicht jedes E-Auto hat deshalb automatisch ein Problem. Schlaglöcher, hohe Laufleistung und schwere Räder können den Verschleiß aber verstärken.
Diese Zeichen solltest Du nicht ignorieren:
- ✓ Poltern auf schlechter Straße
- ✓ Knacken beim Lenken
- ✓ Das Auto zieht auf gerader Strecke zur Seite
- ✓ Ein Reifen ist einseitig stärker abgefahren
- ✓ Das Lenkrad vibriert
Eine Achsvermessung oder Fahrwerksprüfung kostet Geld. Sie ist aber oft günstiger als neue Reifen plus eine erfolglose HU.
Problem 3: Defektes Licht kann die Plakette kosten
Ein defektes Bremslicht ist leicht zu übersehen. Du sitzt schließlich vor dem Licht und nicht dahinter.
Prüfe vor dem Termin:
- ✓ Abblendlicht
- ✓ Fernlicht
- ✓ Tagfahrlicht
- ✓ Blinker vorne, hinten und an den Seiten
- ✓ Bremslichter
- ✓ Rücklicht
- ✓ Nebelschlussleuchte
- ✓ Kennzeichenbeleuchtung
- ✓ Warnblinker
Bitte eine zweite Person um Hilfe. Allein kannst Du die Bremslichter auch vor einer hellen Wand oder einem Schaufenster prüfen.
Moderne LED-Leuchten sind nicht immer billig zu reparieren. Bei manchen Autos muss eine ganze Leuchteinheit ersetzt werden. Kümmere Dich deshalb früh um eine Fehlermeldung.
Was der TÜV-Report 2026 über E-Autos zeigt
Im TÜV-Report 2026 wurden 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen ausgewertet. Der Prüfzeitraum lief vom 1. Juli 2024 bis zum 30. Juni 2025. Unter den untersuchten Fahrzeugtypen waren 18 reine E-Autos.
Bei zwei bis drei Jahre alten Fahrzeugen sahen einige Ergebnisse so aus:
| Modell | Anteil mit erheblichen Mängeln |
|---|---|
| Mini Cooper SE | 3,5 Prozent |
| Audi Q4 e-tron | 4,0 Prozent |
| Fiat 500e | 4,2 Prozent |
| VW ID.3 | 5,5 Prozent |
| VW ID.4 und ID.5 | 6,1 Prozent |
| Škoda Enyaq | 9,1 Prozent |
| Tesla Model 3 | 13,1 Prozent |
| Tesla Model Y | 17,3 Prozent |
Das Tesla Model Y landete mit 17,3 Prozent auf dem letzten Platz unter 110 Modellen dieser Altersklasse. Auffällig waren Achsaufhängungen, Bremsscheiben und Beleuchtung.
Das klingt hart. Trotzdem solltest Du die Zahl richtig lesen.
Sie bedeutet nicht, dass jedes sechste Model Y kaputt ist. Sie sagt: Bei 17,3 Prozent der geprüften Fahrzeuge dieses Modells wurden erhebliche Mängel festgestellt.
Model Y und Model 3 hatten bei ihrer ersten HU außerdem hohe durchschnittliche Laufleistungen von 55.000 und 56.000 Kilometern. Das erklärt laut TÜV-Verband aber nicht den ganzen Unterschied.
Die Tabelle ist ein Warnsignal für die Vorbereitung. Sie ist kein Urteil über jedes einzelne Auto. Die Ergebnisse betreffen die untersuchten Jahrgänge, nicht pauschal die aktuell angebotenen oder überarbeiteten Modellgenerationen.
Prüft der TÜV auch den Zustand des Akkus?
Ja und nein.
Bei der HU werden sicherheitsrelevante Teile des Akkus und des Hochvoltsystems geprüft. Dazu gehören zum Beispiel das Gehäuse, das Batteriemanagement und erkennbare Fehler.
Die normale HU sagt Dir aber nicht, wie viel Kapazität der Akku noch speichern kann.
Dafür brauchst Du einen eigenen Batterietest. Er ermittelt den State of Health, kurz SoH. Das ist der Gesundheitszustand des Akkus im Vergleich zu einem neuen Akku.
Das ist besonders wichtig, wenn Du ein gebrauchtes E-Auto kaufst oder verkaufst. Mehr dazu findest Du im Voltwärts Ratgeber Gebrauchtes E-Auto kaufen: Akku prüfen und SoH verstehen.
Merke Dir:
HU bestanden heißt: Das Auto erfüllt die geprüften Sicherheitsanforderungen. Es heißt nicht: Der Akku hat noch fast 100 Prozent Kapazität.
Die 15-Minuten-Checkliste vor dem TÜV
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Diese Dinge kannst Du selbst prüfen:
Deine Reifen sind beschädigt oder alt? Dann hilft Dir zusätzlich der Voltwärts Artikel E-Auto-Winterreifen: Diese Fehler werden teuer.
Wann lohnt sich ein Vorab-Check in der Werkstatt?
Ein Werkstatt-Check ist nicht vor jeder HU nötig.
Er kann aber sinnvoll sein, wenn:
- ✓ eine Warnleuchte leuchtet,
- ✓ die Bremse Geräusche macht,
- ✓ das Auto beim Lenken knackt,
- ✓ ein Reifen einseitig abgefahren ist,
- ✓ das Auto schon viele Kilometer gefahren ist,
- ✓ die letzte Wartung lange zurückliegt,
- ✓ Du eine sichtbare Beschädigung am Unterboden bemerkst.
Bitte die Werkstatt nicht einfach um einen großen Rundum-Service. Beschreibe das Problem. Frage vorher nach dem Preis. So vermeidest Du unnötige Arbeiten.
Was passiert, wenn das E-Auto durchfällt?
Bei geringen Mängeln kann die Plakette erteilt werden. Du musst die Mängel trotzdem unverzüglich, spätestens innerhalb eines Monats, beheben.
Bei erheblichen oder gefährlichen Mängeln gibt es keine Plakette. Das Auto muss repariert werden. Danach musst Du es innerhalb eines Monats erneut vorführen.
Verpasst Du diese Frist, wird in der Regel eine neue vollständige Hauptuntersuchung fällig. Das kostet mehr als die Nachprüfung.
Bei einem als verkehrsunsicher eingestuften Auto ist Schluss. Es darf nicht normal weitergefahren werden. Halte Dich genau an den Prüfbericht und kläre den Transport mit Prüfstelle oder Werkstatt.
Gebrauchtwagen: Eine neue Plakette reicht nicht als Kaufprüfung
Eine frische HU ist gut. Sie ersetzt aber keine Kaufprüfung.
Die HU beurteilt den Zustand an einem bestimmten Tag. Sie sagt nicht sicher:
- ✓ wie groß die nutzbare Akkukapazität ist,
- ✓ ob ein Unfallschaden sauber repariert wurde,
- ✓ welche teuren Reparaturen bald kommen,
- ✓ ob Reifen oder Bremsen nur knapp ausreichen,
- ✓ ob das Auto zu Deinem Alltag passt.
Bei einem gebrauchten E-Auto sind deshalb drei Dinge sinnvoll:
- Prüfbericht der letzten HU ansehen.
- Separaten Akku-Nachweis oder SoH-Test verlangen.
- Eine echte Probefahrt machen.
Nutze dafür auch die Voltwärts Checkliste zur E-Auto-Probefahrt.
Häufige Fragen zum E-Auto TÜV
Braucht ein E-Auto eine Abgasuntersuchung?
Nein. Ein reines Batterieauto erzeugt keine Abgase am Fahrzeug. Deshalb entfällt die Abgasuntersuchung.
Muss ein Plug-in-Hybrid zur Abgasuntersuchung?
Ja. Ein Plug-in-Hybrid hat zusätzlich einen Verbrennungsmotor. Deshalb gehört die Abgasmessung weiter dazu.
Wird die Reichweite beim TÜV getestet?
Nein. Die HU ist kein Reichweitentest und kein vollständiger Akku-Gesundheitstest.
Ist ein E-Auto beim TÜV immer günstiger?
Die Prüfgebühr ist meist niedriger, weil die Abgasuntersuchung entfällt. Reparaturen können trotzdem teuer werden. Besonders Fahrwerk, LED-Leuchten und Bremsen solltest Du ernst nehmen.
Muss ich mit einem neuen E-Auto nach zwei Jahren zum TÜV?
Nein. Ein neuer privater Pkw muss normalerweise erstmals nach drei Jahren zur HU. Danach gilt der Rhythmus von zwei Jahren.
Fazit: Weniger Teile heißt nicht automatisch keine Mängel
Ein E-Auto braucht keine Abgasuntersuchung. Das spart Zeit und Geld.
Aber Bremsen, Fahrwerk, Reifen, Licht und Hochvoltsystem bleiben wichtig. Gerade wenig genutzte Bremsscheiben können zum Problem werden.
Prüfe den Termin früh. Teste Licht, Wischer und Reifen selbst. Ignoriere keine Warnleuchte und kein ungewöhnliches Geräusch. So steigen Deine Chancen auf die Plakette beim ersten Versuch.
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